Glossar für Begriffe der Klavierbauer

a1
Kammerton, 440 Hertz, Normstimmhöhe

Ahorn
sehr feines, dichtes Hartholz; im Klavier z. B. als Stegdoppel, als Stimmstockschicht

akustische Anlage
Rahmen, Rasten, Resonanzboden mit Rippen und Stegen, Bodenlager, Saiten

aufdoppeln
bei diesem Reparatureingriff wird die oberste Schicht des Steges (~1 cm) ausgetauscht. Dies ist notwendig, wenn Stege Risse aufweisen.

ausarbeiten
feinregulieren, intonieren

Bass
bezeichnet die tiefen Töne im Instrument und ersetzt im Klavierbau das Wort „links”.

Beziehen
Fachausdruck für das Besaiten. Die glatten Saiten nennt man Blankbezug. Die Basssaiten sind in der Regel mit Kupfer umsponnen.

Bodenlager
Auf den Rasten aufgeleimter Hartholzrahmen, auf den der Resonanzboden geleimt wird.

Butte
Steigerungsform von Kraxe, vgl. Schearm

Cembalo
Tasteninstrument mit Kielmechanik; die Saiten werde nicht angeschlagen, sondern angerissen. Dadurch ist keine Lautstärkenbeeinflussung möglich.

Chor
2 oder 3 Saiten mit identischer Tonhöhe, die von einem Hammer angeschlagen werden.

Dämpfung
Teil der Mechanik, der benötigt wird, um den erzeugten Ton wieder abzudämpfen. Die Dämpfer sitzen auf den Saiten und werden beim Drücken der Taste abgehoben.

Diskant
bezeichnet die hohen Töne im Instrument und ersetzt im Klavierbau das Wort „rechts.

Ebenholz
fast schwarzes, sehr dichtes und hartes Holz, das für die Halbtöne ("schwarze Tasten") verwendet wird.

Elfenbein
Tastenbelag; wird heutzutage durch verschieden Kunststoffe ersetzt.

Fänger
Mechanikteil, der den Hammer nach erfolgtem Anschlag abfängt und so ein eventuelles Trommeln des Hammers gegen die Saite verhindert.

Filz
Schafwollgewebe, das in unterschiedlicher Form im Klavier zum Einsatz kommt, z. B. Hammerköpfe, Dämpferpüschel, Achslager.

Forte-Pedal
die gesamte Dämpfung wird abgehoben, alle Saiten können mitschwingen („rechtes Pedal”)

Grundüberholung
Komplettreparatur

Gussplatte, Gussrahmen
schwerstes Element im Klavier; wirkt den Saitenzugkräften entgegen (diese können bis zu 23 Tonnen gesamt erreichen!)

Hammerkopf
mit vielen Schichten Filz überzogener Holzkern, der durch Betätigen der Taste gegen die Saite geschleudert wird. Der Härtegrad des Filzes beeinflußt massgeblich den Klangcharakter (älterer, verhärteter Filz erzeugt einen "schrilleren" Ton; dieser wird durch Intonieren beseitigt).

Hebeglied
Mechanikteil, der die Bewegung der Taste auf den Hammer überträgt.

Hertz
Masseinheit der Frequenz; Töne sind akustische Wellen. Die Tonhöhe ergibt sich aus der Frequenz, d. h. aus der Anzahl der Wellen pro Sekunde.

Holzfeuchtigkeit
Holz hat immer eine gewisse Feuchtigkeit. Der Wassergehalt wird in Prozenten gemessen.

Intonieren
Durch Nadelstiche in den Hammerkopf, beziehungsweise durch Abziehen der obersten Filzschicht wird der Härtegrad des Filzes verändert und damit der Klangcharakter variiert.

Klang
Der Klang des Instrumentes ist weitgehend von den Mensuren und von der Art des Resonanzbodens abhängig. Durch die Intonation wird der Klang veredelt und Unterschiede werden ausgeglichen.

Klavichord
ältestes besaitetes Tasteninstrument. Sehr einfacher Aufbau, jedoch ausgesprochen leise.

Klavierstimmen
Der Klavierstimmer bringt das Instrument auf Kammertonhöhe und stimmt es in sich rein.

Kraxe
irreparables Instrument, ugs. für Billigfabrikate oder Instrumente erbärmlichen Zustandes, die jedem Klavierbauer/-stimmer die Haare zu Berge stehen lassen. vgl. Butte, Schearm

Linkes Pedal
Im Flügel zur Verschiebung der Klaviatur nach rechts, dadurch werden bei 3-chörigen Saiten nur noch 2 Saiten angeschlagen und die Saiten durch die "weniger abgespielten" und somit weicheren Stellen des Hammerkopfes angeschlagen – der Ton klingt leiser und samtiger. Im Piano werden die Hämmer auf einer Klappleiste näher an die Saiten herangeführt – der Anschlag erfolgt mit geringer Wucht und der Ton klingt leiser.

Luftfeuchtigkeit
Für einen Qualitätserhalt Ihres Instrumentes und nicht zuletzt für Ihre eigene Gesundheit empfiehlt sich eine relative Luftfeuchtigkeit von 40-60%. Mithilfe eines Hygrometers können Sie diese Werte feststellen, mittels Luftbefeuchter gegebenenfalls regulieren.

Mechanik
Spielwerk des Instrumentes

Mensur
Masse am Instrument (z.B. Saitenlängen,- durchmesser, Resonanzbodenstärke.

Moderator
ein Filzstreifen, der sich bei Betätigung eines Pedales oder eines Handhebels zwischen Hämmer und Saiten schiebt. Dadurch kann die Lautstärke des Instrumentes z. B. zum Üben verringert werden.

Oberdämpfung
veraltetes und zudem funktionsschwaches Dämpfungssystems im Piano. Mittlerweile gänzlich durch Unterdämpfung abgelöst.

Pianino
Kleinpiano mit max. 100cm Höhe.

Raste
statisch essentielles Holzgerüst des Instrumentes. Sie nimmt die Biegekräfte auf, die durch den Saitenzug entstehen. Zur Raste gehören auch Stimmstock und Bodenauflage.

Resonanzboden
dünne Holzmembran (feinjährige, fehlerfreie Fichte), die die Schwingungen der Saite über den Steg aufnimmt und großflächig an die Umgebung abstrahlt.
Risse im Resonanzboden sind eine durch niedrige Luftfeuchtigkeit begünstigte Alterserscheinung, die den Klang des Instrumentes deutlich beeinträchtigt.

Rippen
sind auf der Rückseite des Resonanzbodens aufgeleimte Holzstäbe, die der Schwingungsausbreitung und der Stabilität des Bodens dienen.

Saiten
rund 220 Saiten befinden sich im Instrument. Jede Saite steht unter einer Spannung von 70-90 kg

Schearm
Superlativ von Kraxe; ein Instrument, das förmlich um "Erlösung" bittet.

Silie (oder Kapodaster)
ist die obere/vordere Begrenzung der schwingenden Saitenlänge. Hier liegt der Saitendraht an einem Gußeisenstab dreieckigen Querschnitts auf.

Spielart, Spielgefühl
Anschlagsempfinden

Spreizen
Streben der Gußplatte, die die Zugkräfte der Besaitung aufnehmen und verteilen. Früher waren die Spreizen nur verschraubt mit der Anhangplatte, heute ist der Rahmen in einem Stück gegossen (Ausnahme: aufgeschraubter Kapodaster im Diskant).

Tasten
sind Holzstäbe, die als Wippe auf dem Klaviaturrahmen aufgesteckt sind und in Verbindung mit der Mechanik die Tonerzeugung bewirken.

Tonhaltepedal
ist das mittlere Pedal beim Flügel. Die Töne, die bei getretenem Pedal angeschlagen werden, klingen nach, die anderen werden ganz normal nach dem Anschlag abgedämpft. Die Nuancierung ist daher viel feiner als etwa jene durch die Verwendung des linken Pedals.

Unterdämpfung
ist die Weiterentwicklung der Oberdämpfung; die Dämpfer werden durch Federn gegen die Saiten gedrückt. Dadurch wird der Ton wesentlich schneller und besser abgedämpft.

Vollpanzer(rahmen)
ist die Fachbezeichnung für einen Gußrahmen, der den Stimmstock bedeckt. Das Holz des Stimmstockes ist unter der Platte verborgen.

Wirbel
ist ein Metallstift im Stimmstock, der die Saite unter großer Spannung auf einer entsprechenden Tonhöhe hält, damit sie klingen kann.

Wirbelloch
ist die Bohrung im Stimmstock, wo der Wirbel eingeschlagen ist. Ist das Wirbelloch ausgeleiert, ist keine Stimmhaltung mehr möglich.


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